Aussage
Depositionen verstehen: Zweck, Ablauf und Schlüsselfragen
Wichtige Erkenntnisse
- Depositionen sind eidesstattliche Aussagen, die außergerichtlich im Rahmen des rechtlichen Discovery-Prozesses gesammelt werden.
- Sie geben beiden Parteien einen Vorgeschmack auf die Beweise und helfen, Überraschungen vor Gericht zu vermeiden.
- Depositionen finden oft in der Kanzlei eines Anwalts statt und können mehrere Stunden dauern, begrenzt auf sieben Stunden pro Tag.
- Das Versäumen einer Deposition trotz Vorladung kann zu einer Anklage wegen Missachtung des Gerichts führen.
- Die Verhandlung beinhaltet erschöpfende Befragungen, und falsche Aussagen des Deponenten können zivil- und strafrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.
Was ist eine Deposition?
Eine Deposition ist eine eidesstattliche Aussage, die während des Discovery-Prozesses außergerichtlich, meist in der Kanzlei eines Anwalts, aufgenommen und von einem befugten Beamten protokolliert wird. Sie betrifft Zeugen, Kläger oder Beklagte und gibt einen Vorgeschmack auf die Beweise, um Anwälten bei der Vorbereitung auf den Prozess zu helfen. Falsche Aussagen in einer Deposition können rechtliche Konsequenzen haben, was sie zu einem entscheidenden Instrument für die Fallstrategie macht.
Wie Depositionen in Rechtsfällen funktionieren
Der Discovery-Prozess ermöglicht es beiden Seiten eines Rechtsfalls, alle relevanten Fakten ans Licht zu bringen und die Sichtweise der anderen Seite auf den Fall zu erfahren, um eine effektive Rechtsstrategie zu entwickeln.
Depositionen werden in der Regel von wichtigen Zeugen abgenommen, können aber auch den Kläger oder Beklagten betreffen und finden oft in der Kanzlei eines Anwalts statt, nicht im Gerichtssaal. Die Person, die die Deposition ablegt, wird als Deponent bezeichnet. Da der Deponent unter Eid steht, können falsche Aussagen zivil- und strafrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.1
Wie bei jedem Discovery-Verfahren ist das Hauptziel einer Deposition, allen an dem Rechtsstreit beteiligten Parteien einen fairen Vorgeschmack auf die Beweise zu geben und das Informationsniveau anzugleichen, damit es bei der Verhandlung keine unliebsamen Überraschungen gibt.
Eine Deposition bewahrt auch die Aussage des Zeugen, wenn sie in einem relativ kurzen Zeitraum nach dem Eintreten des Verbrechens oder Unfalls aufgenommen wird, da eine Verhandlung Monate entfernt sein kann und die Erinnerung des Zeugen an das Ereignis mit der Zeit verschwimmen könnte.
Wann sind Depositionen erforderlich?
Eine Deposition wäre beispielsweise erforderlich, wenn man einen Unfall beobachtet hat, der zu einer Haftungsklage führte. Alle am Fall beteiligten Parteien dürfen an der Deposition teilnehmen.
Der Deponent wird von den Anwälten beider Seiten zu einer Reihe von Fragen im Zusammenhang mit der Klage befragt. Ein anwesender Gerichtsberichterstatter zeichnet jede Frage und Antwort in der Deposition genau auf und erstellt ein Transkript, das später vor Gericht verwendet werden kann.
Aufgrund der erschöpfenden Befragung, die für Depositionen charakteristisch ist, können sie mehrere Stunden dauern. Gemäß den Federal Rules of Civil Procedure und deren bundesstaatlichen Entsprechungen darf eine Deposition maximal sieben Stunden pro Tag für jeden Deponenten dauern.2
In Kanada wird der Deposition-Prozess als „examination for discovery“ bezeichnet, und examinations for discovery sind auf sieben Stunden pro Partei, die die Befragung durchführt, begrenzt.3
Arten von Fragen, die in einer Deposition gestellt werden
Fragen, die in einer Deposition gestellt werden, können weitreichender sein als solche, die in Gerichtsverhandlungen erlaubt wären. Beispielsweise könnte einem Zeugen eines Autounfalls eine Reihe von Fragen gestellt werden, wie:
Hintergrund – Hat der Zeuge Vorstrafen? Besteht eine Verbindung zu den am Fall beteiligten Parteien? Hat er körperliche Einschränkungen wie Sehschwäche?
Unfallort – Ist der Zeuge mit dem Ort vertraut? Kennt er die Verkehrsregelung und die ausgeschilderten Geschwindigkeitsbegrenzungen am Unfallort?
Unfallbeobachtungen – Wie weit war der Zeuge vom Unfallort entfernt? Hatte er eine klare Sicht auf das Geschehen? Wie hoch war die geschätzte Geschwindigkeit jedes Fahrzeugs?
Da Depositionen ein kritischer Teil des Rechtsstreits sind und den Ausgang eines Prozesses erheblich beeinflussen können, bemühen sich Juristen, ihre Mandanten angemessen auf Depositionen vorzubereiten. Während Deponenten verpflichtet sind, bei ihren Antworten peinlich genau ehrlich zu sein, ist das Ziel, häufige Fehler von Deponenten zu vermeiden.
Diese Fehler können darin bestehen, zu viel zu sagen und damit Informationen zu liefern, die der gegnerischen Seite zum Vorteil gereichen können. Ein weiterer häufiger Fehler ist das Äußern von Vermutungen oder Annahmen, da Deponenten verpflichtet sind, bei den Fakten zu bleiben und nicht zu spekulieren oder zu theoretisieren.
Wie lange dauert eine Deposition?
Die Dauer einer Deposition hängt vom Umfang der Fragen, den benötigten Details und der Bereitschaft der befragten Person zur Teilnahme ab. Im Allgemeinen kann eine Deposition zwischen 30 Minuten und maximal sieben Stunden pro Tag dauern, es können jedoch mehrere Sitzungen stattfinden.2
Was passiert nach einer Deposition?
Nach Abschluss einer Deposition werden Transkripte und/oder Videoaufzeichnungen der Aussage an die Anwälte beider Seiten zur Überprüfung und Analyse gesendet. Die Depositionen zusammen mit anderen während des Discovery-Zeitraums gesammelten Beweisen führen entweder zu einer außergerichtlichen Einigung oder zu einem Prozess.
Kann man eine Deposition verweigern?
Wenn Sie für eine Deposition vorgeladen werden, müssen Sie gesetzlich erscheinen und die Fragen ehrlich und nach bestem Wissen und Gewissen beantworten. Das Nichterscheinen kann zu einer Haftstrafe wegen Missachtung des Gerichts führen und Sie werden dort zur Deposition gezwungen. Das Lügen unter Eid kann als Meineid (Perjury) bestraft werden.41