Billandhold
Bill and Hold erklärt: Definition, Prozess und Praxisbeispiel
Was ist Bill and Hold?
Ein Bill and Hold ist eine Art Verkaufsvereinbarung, die eine Zahlung vor der Lieferung des Artikels ermöglicht. Es handelt sich um eine Verkaufsvereinbarung, bei der ein Verkäufer eines Produkts dem Kunden das Produkt im Voraus in Rechnung stellt, es jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt versendet.
Damit ein Eigentumsübergang stattfinden kann und das Produkt versendet wird, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Dazu gehören die Bezahlung der Ware, die Trennung der Ware von allen anderen ähnlichen Waren durch den Verkäufer sowie die Fertigstellung und Gebrauchsbereitschaft der Ware.
Wichtige Erkenntnisse
- Bill and Hold-Vereinbarungen ermöglichen es Käufern, im Voraus zu bezahlen, während der Verkäufer das Produkt später versendet.
- Diese Vereinbarungen können für beide Seiten vorteilhaft sein, wenn der Verkäufer Rabatte oder Anreize bietet.
- Umsätze können erst dann erfasst werden, wenn alle Bedingungen des Bill and Hold erfüllt sind.
- Bill and Hold-Verkäufe werden manchmal betrügerisch eingesetzt, um Finanzergebnisse aufzublähen.
- Der Skandal von Sunbeam aus dem Jahr 1996 verdeutlicht die Risiken des Missbrauchs von Bill and Hold-Vereinbarungen.
Umfassender Überblick über Bill and Hold-Vereinbarungen
Die Bill and Hold-Vereinbarung kann sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer vorteilhaft sein, jedoch müssen beide Parteien große Sorgfalt walten lassen, um sicherzustellen, dass alle Kriterien erfüllt sind. Erfüllt die Vereinbarung nicht alle genannten Kriterien, findet kein Eigentumsübergang statt. Dies bedeutet, dass der Verkäufer keine Umsätze erfassen kann und der Käufer im Zusammenhang mit dieser Transaktion keine Vermögenswerte oder Bestände verbuchen darf.
Es gab viele Skandale rund um Bill and Hold-Vereinbarungen in der Geschäftswelt, und bei der Analyse dieser Art von finanziellen Machenschaften ist Vorsicht geboten.
Wichtig
Bill and Hold-Verkaufsvereinbarungen werden auch oft als "Bill in Place"-Vereinbarungen bezeichnet.
Praxisbeispiel für Bill and Hold-Praktiken
Ein klassisches Beispiel ist Sunbeams Trick im November 1996. Um die Verkäufe während CEO Al Dunlaps „Wendejahr“ zu steigern, überzeugte Sunbeam Einzelhändler, Gasgrills ganze sechs Monate vor dem Bedarf zu kaufen – kein schlechter Schachzug, wenn man die saisonale Natur der Gasgrillverkäufe verlängern möchte.
Im Austausch für große Rabatte kauften die Einzelhändler gerne Ware, die sie erst Monate später erhalten und erst weitere sechs Monate nach Rechnungsstellung bezahlen mussten. Um die Vereinbarung noch attraktiver zu machen, stimmte Sunbeam zu, die Grills in angemieteten Lagerhäusern Dritter zu lagern, bis die Kunden sie anforderten.
Sunbeam verbuchte zunächst die Verkäufe und Gewinne aus allen Bill and Hold-Transaktionen im Wert von 35 Millionen US-Dollar. Als Reaktion auf Fragen des Wirtschaftsprüfers des Unternehmens stornierte Sunbeam jedoch bald satte 29 Millionen der 35 Millionen US-Dollar Umsatz, gab zu, dass die Erlöse zu früh erfasst wurden, und verschob die Verkäufe in zukünftige Quartale. Täuschende Geschäftspraktiken und anschließende Bilanzierungsmethoden wie diese haben diesen Techniken den Spitznamen „Stuffing the Channel“ eingebracht.
Geschäftsgrundlagen